Wegweiser durchs verflixte Schlaraffenland

Wie Essen und Psyche sich beeinflussen...

 

Der unbeschwerte Genuss in unserem "Schlaraffenland" weicht oftmals einem unbewusstem Kampf zwischen Kopf und Bauch. Ein Grund dafür ist offensichtlich, dass wir die Zusammenhänge zwischen Essen und Psyche nicht kennen und deshalb nicht richtig darauf reagieren können.

 

Auf dem 16. aid-Forum am 14.05.2013 in Bonn wurden Konzepte aus Philosophie, Psychologie, Soziologie und Kulturwissenschaft vorgestellt, neue Forschungsergebnisse auf den Gebieten der Neurobiologie und Adipositas-Forschung diskutiert und daraus unterschiedliche Interpretationen des Essverhaltens angeboten.

Zum Einen wird unser Essverhalten stark von unserem direktem Umfeld beeinflusst. Jeder von uns ist Teil eines bestimmten Systems, wie etwa der Familie. Dieses System entscheidet wesentlich mit, was jeder Einzelne an Nahrung zu sich nimmt. Zudem duldet dieses Umfeld „Familie“ in der Regel keine Verhaltensänderung Einzelner. Auch das ist ein Grund dafür, dass Gewicht reduzieren oft so schwierig sein kann.

 

Soziale und kulturelle Normen sowie Nahrungsmittelmarketing und Werbung spielen zunehmend eine wichtige Rolle. Die physische Umwelt, also das Lebensmittelangebot in den Supermärkten, Restaurants, Kantinen und zu Hause, ist häufig ein weiterer Faktor, der das Verhalten der Konsumenten bestimme. Auf der individuellen Ebene beeinflussen Einstellungen, Vorlieben, Wissen und Wertvorstellungen unseren Lebensmittelkonsum.

Marketing und Werbung beeinflussen auch entscheidend die eigene Körperwahrnehmung, was sich bei adipösen Menschen besonders stark ausprägt. Studien ergaben darüber hinaus, dass sich eine negative Einstellung und negative körperbezogene Gefühle dabei besonders verstärken bei gleichzeitigem Vorliegen einer Binge Eating Störung. Binge Eating ist eine Essstörung, bei der es zu unkontrollierbaren Heißhungerattacken kommt.

 

Untersuchungen zur Entstehung von Hungergefühlen im Gehirn und die Entdeckung verschiedener Hormone und Rezeptoren im Gehirn, haben seit Mitte der 1990er Jahre zu einem enormen Aufschwung und neuen Erkenntnissen in der Forschung der Appetitregulation geführt. Es wurde zum Einen entdeckt, dass sich die Gehirnstrukturen bei übergewichtigen Menschen verändern, vor allem diejenigen Hirnstrukturen, die allgemein als Belohnungssystem bekannt sind. Genau in diesen Hirnregionen haben adipöse Menschen mehr graue Substanz als Schlanke, eine Struktur, die für die Verarbeitung von Nervensignalen verantwortlich ist.

 

Stress führt zu charakteristischen psychischen, physiologischen und biochemischen Veränderungen und hat einen starken Einfluss auf das Essverhalten. Unterschieden wird zunächst zwischen „Stressessern“ und „Stresshungerern“, wobei die Art und Intensität des Stressors hier eine wichtige Rolle spielt. Extreme Stressoren, wie z.B. Trauer, führen häufiger zu einer verringerten Nahrungsaufnahme, während leichte stressauslösende Faktoren, wie z.B. Zurückweisung oder Einsamkeit eher zum Überessen führt. Auch übergewichtige Personen, insbesondere Frauen und auch übergewichtige Kinder, neigen bei Überbelastung eher zum Mehressen, während Normalgewichtige tendenziell eher weniger essen.

Stress steigert vor allem das Verlangen nach energiereichen Lebensmitteln, insbesondere nach fett- und zuckerhaltigen. Charakteristisch ist auch der Einfluss von Stress auf das Snackverhalten. Es wird öfter gegessen, häufiger genascht und das unabhängig von erlebten Hungergefühlen.

Süße und fette Snacks wie Kuchen und Schokolade werden unter Stresseinfluss vor allem vermehrt von Frauen gegessen, da sie ihr Essverhalten stark von emotionalen Gefühlen abhängig machen. Sie greifen zu mehr Süßigkeiten, Keksen, Snacks und Fastfood und weniger zu Obst und Gemüse. Unter speziellen Versuchsbedingungen konsumieren sie unter Stressbedingungen sogar doppelt so viel Süßes als unter normalen Bedingungen.

Man kann durch sein Ernährungsverhalten Stress aber auch reduzieren. Empfehlenswert ist eine ausreichende Versorgung mit allen Makro- und Mikronährstoffen durch die richtige Auswahl von Nahrungsmitteln.

So wurde überraschenderweise festgestellt, dass nach akutem Stress besonders kohlenhydratreiche und eiweißarme Mahlzeiten bei besonders stressempfindlichen Personen Stress reduzieren, die Stimmung verbessern und stressige Zeiten und Situationen gelassener überstehen lassen.

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Kommentare: 1
  • #1

    Pamula Casado (Samstag, 04 Februar 2017 09:23)


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Mi

12

Feb

2014

Ich will abnehmen! Jetzt!

Also schnell die Diät. Brigitte, Steinzeit, Schlank-im-Schlaf, Low Carb, und und und...

 

Bei diesen sogenannten Blitzdiäten macht unser Körper uns immer einen Strich durch die Rechnung und sorgt schnell dafür, dass die Fettreserven wieder aufgefüllt werden wenn nicht gar noch üppiger aufgestockt werden: Da zuallererst unser Gehirn mit Glukose versorgt werden muss, holt er sich bei einer (kohlenhydratarmen) Diät Glucose aus der Leber und den Muskeln. So verlierst Du zunächst viel Körperwasser und Muskelmasse. An die Fettspeicher macht sich der hungernde Körper erst, wenn alle anderen Reserven verbraucht sind. Die Fettzellen sind nun leer – aber noch vorhanden. Diese Vorratsdepots werden nach der Hungerkur, d.h. Wenn Du wieder „normal“ isst, sofort wieder gefüllt. Es kommt zum Jojo-Effekt.

 

Darüber hinaus vermindert die Muskelmasse den Energieverbrauch und wir bauen noch mehr Fett auf. Ein fataler Teufelskreislauf!

 

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